Technologie / SPD
SPD-Glas. Abdunkeln, ohne die Aussicht zu verlieren.
SPD steht für Suspended Particle Device. Mikroskopisch kleine Partikel in einer Flüssigkeit richten sich unter Spannung aus – und regeln so stufenlos, wie viel Licht durch das Glas fällt.
Redaktionell überarbeitet am 22. Oktober 2026 · Produktfreigaben und konkrete Kennwerte separat prüfen.
Kurz gesagt
SPD-Glas enthält stäbchenförmige Partikel in einer Suspension. Ohne Spannung liegen sie ungeordnet und absorbieren Licht – das Glas ist dunkel. Mit Spannung richten sie sich aus, das Glas wird hell. Die Lichtdurchlässigkeit lässt sich stufenlos regeln, die Durchsicht bleibt in jedem Zustand erhalten. SPD ist ein Blend- und Sonnenschutz, kein Sichtschutz.
So funktioniert SPD
Zwischen zwei leitfähig beschichteten Folien liegt eine Schicht mit winzigen, stäbchenförmigen Partikeln in flüssiger Suspension. Ohne elektrisches Feld bewegen sie sich frei und absorbieren einfallendes Licht – die Scheibe erscheint dunkel getönt, meist bläulich-grau. Mit steigender Spannung richten sich die Partikel aus und lassen mehr Licht durch.
Weil die Ausrichtung von der Spannung abhängt, ist SPD stufenlos dimmbar. Das unterscheidet es von PDLC, das im Wesentlichen zwei Zustände kennt.
Stärken und Grenzen
Stärken
- stufenlose Regelung der Lichtdurchlässigkeit
- Durchsicht bleibt in jedem Zustand erhalten
- Schaltzeit im Bereich weniger Sekunden
- deutliche Reduktion von Blendung und Wärmeeintrag
Grenzen
- kein Sichtschutz – man sieht auch im dunklen Zustand hindurch
- im hellsten Zustand leicht getönt, nie völlig farbneutral
- benötigt Strom für den hellen Zustand
- im Bau weniger verbreitet als PDLC, entsprechend wenige Anbieter
Einsatzgebiete
Bekannt ist SPD aus der Mobilität: Panoramadächer in Fahrzeugen der Oberklasse und abdunkelbare Fenster in Flugzeugen nutzen das Prinzip. In der Architektur eignet es sich für Dachverglasungen, Oberlichter, Medienräume und Museen, in denen Licht empfindliche Exponate schädigen kann.
SPD oder PDLC?
Die Faustregel: Blicke abhalten → PDLC. Licht dosieren → SPD. Wer beides will, braucht eine Kombination oder zusätzlichen Sonnenschutz. Einen Überblick aller Technologien bietet Smart Glass im Vergleich.
Für Sichtschutz im Innenraum
Für Sichtschutz durch Lichtstreuung ist PDLC ein möglicher Ansatz. Die Auswahl richtet sich nach dem geforderten Ergebnis und der Produkteignung.
SPD-Folie und nachrüstbare Folie sind nicht dasselbe
Der Begriff SPD-Folie bezeichnet zunächst die Funktionsschicht. Daraus folgt nicht, dass sie als selbstklebende Folie auf eine vorhandene Scheibe aufgebracht werden kann. Viele Anwendungen verwenden eine in den Glasaufbau integrierte Schicht und einen darauf abgestimmten Controller. Fragen Sie deshalb nach der vorgesehenen Verarbeitung und der freigegebenen Einbausituation, bevor Sie eine Nachrüstung planen.
Bei einem bestehenden Fenster sind Rahmen, Glasgewicht, Scheibenaufbau und elektrische Zuführung gemeinsam zu prüfen. Ein Austausch darf geforderte Eigenschaften des Fensterelements nicht unbeabsichtigt verändern. Für einen ersten Vergleich helfen Unterlagen zur vorhandenen Verglasung und eine Beschreibung des eigentlichen Problems: Blendung, sommerlicher Wärmeeintrag oder unerwünschte Einblicke.
Lichtregelung anhand des vollständigen Aufbaus bewerten
Vergleichen Sie die Lichttransmission im hellsten und dunkelsten Zustand, die Eigenfarbe und die Wirkung bei seitlichem Blick. Für den Sonnenschutz sind zusätzlich die energetischen Werte des gesamten Verglasungssystems erforderlich. Eine Angabe zur blockierten sichtbaren Lichtmenge lässt sich nicht unmittelbar in eine Raumtemperatur oder eine Einsparung bei der Kühlung umrechnen.
Eine dunkle Tönung ist außerdem kein sicherer Nachweis für Privatsphäre. Wenn Personen hinter der Fläche verborgen werden sollen, muss genau diese Anforderung bemustert werden. Für Schlafräume ist zu prüfen, ob verbleibendes Licht und Anschlussfugen eine zusätzliche Verdunkelung erfordern. Die Entscheidung für SPD entsteht aus dem benötigten Lichtmanagement, nicht allein aus dem Wunsch nach einer möglichst dunklen Scheibe.
Steuerung und Bemusterung früh abstimmen
Der Controller ist Teil des Systems. Fragen Sie nach verfügbaren Schnittstellen, dem Verhalten ohne Versorgung und der Zuordnung mehrerer Flächen zu Gruppen. Eine gleichmäßige Szene sollte mit den vorgesehenen Elementen getestet werden. Die Umschaltzeit hängt vom Produkt und den Betriebsbedingungen ab; eine allgemeine Zeitangabe ersetzt keine vereinbarte Anforderung.
Zur Bemusterung gehören ein heller und ein dunkler Hintergrund sowie die Beleuchtung, die später im Raum erwartet wird. Notieren Sie sichtbare Reflexionen, Farbwahrnehmung und verbleibende Durchsicht. Lassen Sie die vereinbarten Kriterien in Angebot und Freigabe aufnehmen. So werden gestalterische Erwartungen nachvollziehbar und spätere Diskussionen über einen anders bewerteten Tönungseffekt vermieden.
Für die Angebotsanfrage beschreiben Sie den gewünschten hellsten und dunkelsten Zustand, die Anzahl der Flächen und den geplanten Einsatzort. Fragen Sie nach einem Muster mit dem vorgesehenen Glasaufbau sowie nach Controller, Anschlussunterlagen und Systemfreigaben. Damit wird deutlich, welche Teile zum Angebot gehören und welche Leistungen zusätzlich geplant werden müssen.
Häufige Fragen.
Wofür steht SPD?
SPD steht für Suspended Particle Device – eine Schicht mit in Flüssigkeit schwebenden Partikeln, die sich unter Spannung ausrichten.
Kann man durch SPD-Glas hindurchsehen?
Ja, in jedem Zustand. SPD dunkelt ab, schafft aber keinen Sichtschutz wie milchiges PDLC-Glas.
Ist SPD-Glas stufenlos dimmbar?
Ja. Über die Spannung lässt sich die Lichtdurchlässigkeit stufenlos zwischen hell und dunkel einstellen.
Ist SPD ohne Strom hell oder dunkel?
Ohne Strom ist SPD-Glas dunkel. Für den hellen Zustand wird Spannung benötigt.
Licht dosieren
oder Blicke stoppen?
Projekt vorbereiten ↗Weiterführende Fachinformationen
Herstellerinformationen zur allgemeinen Einordnung: Gauzy: SPD-Technologie. Sie belegen keine Lieferbeziehung oder Eigenschaften eines hier angebotenen Produkts. Maßgeblich bleiben die Unterlagen des konkret vorgesehenen Systems.